Bursche im Glück
 

Bellheim alias Bursche kam als dreijähriger Jungspund in den Stall von Frau B. und wurde von ihr selbst ausgebildet und in Dressurprüfungen auf zahlreichen Turnieren erfolgreich vorgestellt.

 

Mit neun Jahren jedoch ging Bursche immer wieder lahm. Der behandelnde Tierarzt konnte schnell die Ursache der Lahmheit herausfinden – die Diagnose lautete Hufbeinsenkung.

 

Leider bedeutete dies, dass Bursche den Belastungen im sportlichen Einsatz nicht mehr gewachsen sein wird. Dennoch wird er nach Ansicht des Tierarztes mit diesem Befund weiterhin schmerzfrei leben können. Darum entschied sich seine Besitzerin dazu, ihm ein neues Zuhause zu suchen, wo er nur noch leicht bewegt und überwiegend auf einer Weide gehalten wird.

 

Sie gab eine Anzeige auf und bot ihren großgewachsenen Fuchs als Beistellpferd an. Es dauerte nicht lange und es meldeten sich einige Interessenten, die Bursche zu sich nehmen wollten. Frau B. schaute sich mehrere Plätze an, stellte aber ein um das andere Mal fest, dass die gebotenen Haltungsbedingungen nicht ihren Vorstellungen entsprachen. Dann jedoch erhielt sie eine E-Mail von einer Dame, die ihrem Pferd einen Lebensplatz als Gesellschafter für ihre alte Zuchtstute zu bieten hat. Sie beschrieb ihren Stall und lud Frau B. zu einem Besichtigungstermin ein. Vor Ort wurde ihr alles gezeigt und somit konnte sich die Besitzerin ein Bild von der gepflegten Anlage machen, verschaffte sich einen Eindruck über die Wiesen und lernte dabei die Kaufinteressentin näher kennen. Nach reiflicher Überlegung fasste sie den Entschluss, ihren Bursche in die Obhut dieser Frau zu geben, da sie davon überzeugt war, dass es ihm dort zukünftig gut gehen wird. Man verabredete einen Termin zur Übergabe und der Wallach wurde an dem vereinbarten Tag pünktlich von dem Lebensgefährten der Käuferin abgeholt. So zog Bursche in sein neues Zuhause.
 
Drei Wochen nach der Übergabe bekam Frau B. einen Anruf. Es meldete sich eine unbekannte Frau, um sich danach zu erkundigen, warum Bursche verkauft wurde. Sie erzählte Frau B., dass ihre Tochter den Fuchswallach in einem Handelsstall in Damme mehrfach ausprobiert habe und von einem Kauf nicht abgeneigt sei. „Ich bin aus allen Wolken gefallen.“ – so schildert Frau B. ihre erste Reaktion auf dieses Gespräch. Sofort versuchte sie die Käuferin ihres Pferdes zu erreichen, doch weder sie noch ihr Lebensgefährte gehen an diesem Sonntagabend gegen 22.00 h ans Telefon.

 

Am nächsten Tag ruft der Lebensgefährte der Käuferin tatsächlich zurück und erklärte die Umstände für den Umzug von Bursche nach Damme. Der Wallach sei einige Male auf den Wiesen der Elbmarsch in einen Graben gestürzt und hätte daher anderweitig untergebracht werden müssen. Aber er solle natürlich nicht verkauft werden. Frau B. solle sich keine Sorgen machen, er würde in Damme anrufen und die Situation klären. Da Frau B. aufgrund der seltsamen Umstände in Sorge um ihren Wallach war, bot sie an, ihn sofort zurückzukaufen und kurzfristig abzuholen. Das wurde allerdings ohne weitere Begründung zunächst abgelehnt und sie wurde vertröstet. Per SMS wurde mehrfach um eine Klärung gebeten und als das immer noch nicht zu einer Lösung führte, bat Frau B. eine Bekannte, ihren Wallach bei dem besagten Händler zu kaufen.

 

Doch da war das Pferd schon längst nicht mehr auf dem Hof und es gab auch keine Anhaltspunkte zu seinem neuen Standort. Wiederrum zwei Wochen später bekam Frau B. einen weiteren Anruf von einer Reiterin, die sie von den Turnieren her kannte. Auch diese Frau hatte Bursche ausprobiert und auch sie wollte wissen, warum das Pferd nun zum Verkauf stand. Mit dem Wissen nach dem Aufenthaltsort von Bursche machte sich Frau B. sofort auf den Weg und konnte ihn ganz in der Nähe ihres Wohnortes für einen mittleren vierstelligen Betrag von einem weiteren Pferdehändler zurückkaufen.

 

Heute steht Bursche wieder bei Frau B. und wird seinen Stall nie wieder verlassen.
 

 

Am 10.06.2018 hat der WDR in der Sendung "Tiere suchen ein Zuhause" über die Geschichte von Bursche berichtet. Den Beitrag können Sie sich hier anschauen.

 

 

Hinweis: da es hierbei lediglich um die persönlichen Schilderungen einer Betroffenen handelt, kann von den Seitenbetreibern  keine Verantwortung für die Richtigkeit der Darstellungen übernommen werden.