Wie sieht die Realität aus?

 

Obwohl der Gesetzgeber eine Vielzahl von Verordnungen erlassen hat, ist die Kennzeichnung und Registrierung von Pferden auch heute noch eine Grauzone, auch begünstigt durch die fehlenden Kenntnisse vieler Pferdekäufer und -besitzer, der unzureichenden Kontrollen der Bestandsbücher vieler Händler (sofern als solche zugelassen und amtlich registriert) und der  (noch) nicht funktionierenden Erfassung in einer zentralen Datenbank.

 

  • Besitzwechsel werden sehr häufig nicht angezeigt, obwohl dies unmittelbar nach dem Kauf eines Pferdes angezeigt werden muss.
  • Es werden immer noch eine Vielzahl von Pferden, gerade im Niedrigpreissektor, aus Unwissenheit ohne Pferdepass gekauft.
  • Viele Pferdepässe werden nach dem Ableben häufig aus Unwissenheit nicht an die ausstellende Behörde zurückgeschickt.
  • Pferdepässe der Zuchtverbände und ausstellenden Behörden haben kein einheitliches Layout, was die Kontrollen für die Amtsveterinäre deutlich erschwert.
  • Erst im November 2016 wurden vermeintlich fälschungssichere Pferdepässe eingeführt.
  • Eine Zulassung als Viehhandelsunternehmen ist i.d.R. nicht erforderlich, wenn u.a. Pferde lediglich zwischen Käufer und Verkäufer vermittelt werden.
  • Über die Frage, wann ein mit Pferden Handelnder ein Händler ist, wird immer noch vortrefflich diskutiert. Siehe hierzu: Wann ist ein Pferdeverkäufer ein Unternehmer?
  • Viehhandelskontrollbücher werden nicht, nicht richtig oder lückenhaft geführt und selten oder nicht kontrolliert.
  • Pferdehandel findet häufig unter der Hand und meist ohne Zulassung statt - in diesen Fällen vermutlich am Fiskus vorbei.
  • Zwar müssen seit 2010 alle erstregistrierten Pferde, die in der Bundesrepublik Deutschland gehalten werden, in eine nationale Pferdedatendatei, die sogenannte HI-Tier Datei, eingetragen werden, aber für die Vollständigkeit und Richtigkeit der Angaben ist lediglich der Halter verantwortlich. Ob es Sanktionen für falsche oder keine Angaben gibt, wagen wir zu bezweifeln.

Wir können nur hoffen, dass sich langfristig durch die Einführung der EU-Equidenpass-Verordnung am 01. Januar 2016 (Umsetzungsfrist 30.06.2016) nachweislich etwas an diesen sehr häufig unhaltbaren Zuständen ändern wird. Vergessen wir nicht, dass ein Pferd auch der Lebensmittelgewinnung dienen kann, auch wenn es selbstverständlich i.d.R. als Liebhaberobjekt angesehen wird.

 

"Vornehmlicher Zweck der genannten EU-Verordnung ist, mehr Lebensmittelsicherheit bei Schlachtpferden zu erhalten, indem man die Erfassung aller in der EU geborenen und eingeführten Pferde optimiert, stets Zugriff auf den aktuellen Standort der Tiere hat und Täuschungen weitgehend auszuschließen sind. "

(Quelle: Wittelsbuerger.de)

 

Nun denn, eine nahezu vollständige Registrierung aller in Deutschland und in Europa gehaltenen Pferde wird noch ca. 20 bis 25 Jahre dauern. Dann erst werden voraussichtlich alle vor 2009 geborenen und nicht automatisch erfassten Pferde ausgestorben sein.

 

In der europäischen Union werden Gurken genormt, aber dem unlauteren Handel mit billigen, kranken und/oder alten Pferden durch unendlich viele schwarze Schafe stehen Türen und Tore offen, begünstigt auch durch das häufig fehlende Engagement vieler Veterinärämter, die es schlichtweg nicht schaffen oder nicht wollen, diesen Markt angemessen zu kontrollieren.

 

Die gut gemeinte Deklaration eines Pferdes als Nicht-Schlachtpferd macht die Sache nicht besser, denn somit entfällt der wichtige Grund, ein Tier zu töten. Gerade in finanziellen und/oder gesundheitlichen Notsituationen kann das verheerende Auswirkungen auf die Tiere haben, da ein Tierarzt i.d.R. ein älteres, aber womöglich dennoch fittes Pferd nicht einschläfert, für dessen Unterhalt der Besitzer nicht mehr aufkommen kann. Dann ist der weitere Lebens- oder besser gesagt Leidensweg vorprogrammiert...….

 

Wir sollten uns einig darüber sein, dass niemand auf Jahrzehnte vorhersehen kann, wie die eigene Zukunft aussehen wird. 

 

Passt bitte auf Eure Pferde auf!