Wim Bob Walton wurde am 16.01.2016 in Grasberg abgegeben und ist seitdem spurlos verschwunden.

 

"Meinen Wallach habe ich 2001 als Fohlen gekauft, aufgezogen, eingeritten und selbst ausgebildet. Im Alter von 12 Jahren hat er sich leider böse verletzt und wurde monatelang falsch auf Hufgelenksentzündung behandelt. Ein weiterer zu Rate gezogener Tierarzt stellte dann fest, dass er sich auf der Wiese eine Röhrbeinfissur zugezogen hat, die nach der Diagnose entsprechend behandelt wurde.

 

Es folgte eine sechsmonatige strikte Boxenruhe. Nach dieser Zeit der Rehabilitation haben wir ihn ganz langsam wieder aufgebaut. Er machte große Fortschritte und das Bein schien zu halten. Leider fing er aber irgendwann wieder an zu lahmen und ich habe mich entschieden, ihm auf Anraten des behandelnden Tierarztes noch einmal eine lange Pause auf der Wiese zu ermöglichen. Er war ein ganzes Jahr bei einem Züchter untergebracht und hat sich dort prächtig erholt. Als ich ihn abgeholt habe, sah er aus wie das blühende Leben, strotze vor Lebensfreude und war munterer als jemals zuvor. Also fingen wir wieder langsam an, was aber nicht von langer Dauer war. Ein halbes Jahr später lahmte er wieder. In dieser Zeit hatte ich eine Pflegebeteiligung, die das Pferd gerne übernommen hätte und mir ein entsprechendes Angebot gemacht hat. Diese junge Dame war aber leider finanziell nicht so gut ausgestattet und ich war in Sorge, dass sie langfristig nicht für den Unterhalt aufkommen konnte. Also habe ich abgelehnt und bin wieder wochenlang mit dem Pferd spazieren gegangen, weil ich weiterhin die Hoffnung hatte, dass er wieder gesund wird. Im Spätsommer 2015 musste ich dann aber nach Rücksprache mit meinem Tierarzt einsehen, dass er nie wieder voll belastbar sein wird. Ich wollte ihn dann zurück zu dem Züchter geben, bei dem er bereits seine Auszeit auf der Wiese verbracht hat. Leider ist die Frau des Züchters aber ganz plötzlich verstorben und der ältere Herr stand von heute auf morgen alleine da, so dass er gezwungen war, seinen Pferdebestand kurzfristig zu verkleinern. Die Rentner-Wallachherde sollte also anderweitig untergebracht werden. Im Hinblick auf den bevorstehenden Winter einen adäquaten Platz für ein Pferd zu finden, gestaltete sich als äußerst schwierig.

 

Drei Monate lang war ich unterwegs und habe mir die unterschiedlichsten Haltungsformen angeschaut. Leider war das alles sehr ernüchternd und im Zuge dessen bin ich auf besagte Person gestoßen. Ich war zweimal vor Ort, habe mir viel Zeit genommen und mir alles ausgiebig angeschaut. Zunächst war auch nicht die Rede davon, dass das Pferd dort kostenfrei untergebracht werden soll. Erst am Ende meines zweiten Besuches kam die Frage auf, ob ich ihn ihr mit garantiertem Rückkaufsrecht überlassen würde, da das u.a. aus versicherungstechnischen Gründen einfacher wäre usw. Weil sie wohl meine Zweifel mitbekommen hat, wurden mir entsprechende Zusicherungen und Zusagen gemacht. Ich war immer noch nicht zu einer Entscheidung bereit und bin unverrichteter Dinge nach Hause gefahren.

 

Erst drei Wochen später und nach einigen weiteren Telefonaten mit dieser Dame habe ich dann leider die größte Fehlentscheidung meines Lebens getroffen und ihr zugesagt. Begünstigt wurde dies durch die Tatsache, dass ihr Lebensgefährte nicht nur den Züchter meines Pferdes gut kannte, sondern selbst bis heute offiziell als Hengsthalter u.a. im Hannoveraner Verband geführt wird. In beiden Ställen waren keine Handelspferde vorhanden, sondern lediglich tragende Stuten und Jungpferde, die alle in einem guten Zustand waren. Ich habe der Geschichte also geglaubt und habe ihr schließlich im Januar zusammen mit drei guten Bekannten, die ein Leben lang geritten sind, das Pferd gebracht. Die Dame wurde noch informiert, dass das Pferd lebensversichert sei und ich u.a. deshalb die Eigentumsurkunde behalten werde. Unter Zeugen wurde ausdrücklich vereinbart, dass ich das Pferd sofort zurücknehmen werde, falls sich bei ihr irgendwelche Lebensumstände verändern sollten. Dieses Versprechen hat sie mir mehrfach gegeben. Meine Begleiter sagten noch auf der Heimfahrt, dass ich ein wirklich tolles Plätzchen für das Pferd gefunden hätte. Leider kam aber alles anders und der Ausgang der Geschichte ist hinreichend bekannt.


Ich erwarte sicherlich kein Verständnis und kann sogar gut nachvollziehen, dass viele Leute mich und alle weiteren Betroffenen für diese Handlung verurteilen. Mir sind bei der Suche einige Pferdebesitzer begegnet, denen es völlig egal ist, was aus ihren Pferden geworden ist und daher keinerlei Interesse an einer Aufklärung haben. Den meisten Betroffenen geht diese Sache aber sehr an die Nieren, weil sie erkennen mussten, dass sie einen großen Fehler begangen haben. Viele Personen schweigen aufgrund der Vorwürfe leider aus Scham, weil sie es nicht ertragen können, sich zusätzlich zur eigene Traurigkeit mit Häme und Spott überschütten zu lassen - nach dem Motto "Selber Schuld".


Aber wir werden diese Geschichte trotz aller Anfeindungen weiterhin erzählen, denn es soll auch um Aufklärung gehen, damit möglichst viele Leute vor diesen Praktiken gewarnt werden. Ich hätte mein Pferd seinerzeit ganz sicher mit seinen 15 Jahren nicht zum Schlachter fahren können. Er stand voll im Lack, war quietschfidel und voller Lebensfreude. Sein kaputtes Bein hat ihn auf der Wiese auch in keinster Weise eingeschränkt - heute frage ich mich aber fast täglich, ob es nicht die bessere Lösung gewesen wäre. Ich weiß bis heute nicht, welchen Weg er gegangen ist. Diese Schuldgefühle sind schlimm......."

 

Beate L.