Der hübsche Hannoveraner Fuchs-Wallach wurde am 09.04.2016 abgegeben und ist seitdem spurlos verschwunden.

 

Die Geschichte von Genesis aus der Sicht seiner ehemaligen Besitzerin:

 

"Genesis ist ein super sympathischer Wallach, der es mir vom ersten Moment an angetan hatte. Auch wenn er beim Probereiten sehr kompliziert war, entschied ich mich, ihm eine Chance zu geben - dem netten, auffäligen Wallach mit dem weißen Auge.
                   
Ich war total verliebt in ihn. Er hatte schon ein paar Besitzer, war bis dahin als Springpferd untauglich, da er sehr guckig ist. An der Achsel wurde ihm ein Sarkoid rausgeschnitten, weshalb er von 5-7 jährig nur auf der Koppel stand. Er hat eine top Abstammung, aber niemand wollte ihm offensichtlich die Zeit geben, die er vermutlich brauchte. Ich habe mich dann für ihn entschieden und ich wollte ihm alle Zeit der Welt geben, um bei mir anzukommen.
Also kaufte ich ihn, lud ihn in den Hänger und nahm ihn mit. Zuhause angekommen waren alle entzückt von ihm. So ein Hübscher, sagten alle.

 

Genesis lebte sich sehr schnell bei uns ein. Wir begannen mit dem Training, Longe war angesagt. Nach einer Weile klappte das auch schon recht gut. Also begannen wir zu reiten. Auf dem Platz war er wirklich schwierig. Er stieg, rannte einfach los oder schlug mit dem Kopf. Im Gelände hingegen war er eine Lebensversicherung. Nach einiger Zeit klappte es für ca. 20 Minuten auch auf dem Platz, beim Springen wurde er jedoch immer noch heiß. Aber er wollte immer zum Sprung, einen "glotziger Bock"- wie es damals hieß - hatte ich jedenfalls nicht unter mir, lediglich ein Pferd, das Vertrauen brauchte. Und er sprang einfach alles.

 

Durch viel Zeit und Mühe hatte ich ihn dann soweit, dass er mit zum Turnier konnte, auch wenn die dressurmäßige Arbeit auf dem Platz mit ihm weiterhin sehr schwierig blieb. Sein Grunzen war komisch, aber darum machte ich mir zunächst keine Sorgen - er war eben so. Als wir dann nach Fulda umgezogen sind, fand ich dort einen neuen Trainer und der sagte sofort: "Tamara, der hat einen Ton."
 
Wir fuhren mit ihm in die Klinik und tatsächlich: die eine Hälfte des Kehlkopfdeckels funktionierte nicht richtig. Wir beschlossen, ihn operieren zu lassen und vermuteten, dass daher seine Unlust beim Reiten kam, dass er einfach zu wenig Luft bekam.
Gesagt - getan, die OP hat Genesis gut überstanden. Es folgte eine längere Boxenruhe, bis wir ihn wieder antrainieren konnten. Dabei reifte aber nach und nach die Erkenntnis, dass sich an seiner Rittigkeit nichts verändert hat.
Ok, dachten wir, dann bekommt er eben noch mehr Zeit, um zu vergessen.

 

Doch es änderte sich nichts. Dann kam der Tag, an dem er beim Putzen den Rücken weggezogen hat. Auch an den darauffolgenden Tagen zeigte er sich weiterhin sehr empfindlich, so dass wir ihn erneut in die Klinik brachten. Nach der tierärztlichen Untersuchung lag die niederschmetternde Diagnose vor: Genesis hatte hochgradig Kissing Spines.

 

Ich wusste nicht, was ich nun tun sollte. Ich bekam mehrfach den Ratschlag, ihn zu spritzen, aber das kam für mich gar nicht in Frage, denn ich weiß selbst wie es ist, Rückenschmerzen zu haben, weil die Wirbel zu eng aneinander sind. Genesis weiter zu reiten war also keine Option mehr, aber das war mir völlig egal. Neben ihm hatte ich noch drei weitere eigene Pferde. Ich musste ihn also nicht unbedingt reiten. Doch wie es in den meisten Sportställen so üblich ist, kamen die Pferde bei uns bei schlechtem Wetter lediglich auf die Paddocks und im Sommer auf Koppeln, die nicht sonderlich groß und zudem innerhalb kürzester Zeit abgefressen waren. Ich merkte schnell, dass er unglücklich war. Eine große Paddockbox mit täglichem Ausgang auf der Koppel und in der Halle laufen - das war eben nichts für ihn. Genesis war so energiegeladen und lauffreudig, er wollte bocken, rennen und toben.

 

Also machte ich mich auf die Suche nach einem geeigneten Stall in der Nähe, doch vergebens. Außer 24 h Koppel ohne Unterstand, ohne Zufütterung von Heu auf einer abgegrasten Wiese fand ich nichts - nichts, was mit den anderen drei Pferden und meinem Job vereinbar gewesen wäre. Ich musste nun eine Entscheidung treffen. Für mein Pferd, für diesen liebevollen, sympathischen und hübschen Fuchs. Ich wollte für ihn einen Platz, an dem er sich auf großeb Wiesen mit Artgenossen austoben konnte.

 

Auf eine Anzeige bei EBay meldeten sich viele Mädels, die ein Pferd angeblich nur zum Kuscheln suchten. Jedoch war es aus meiner Sicht eher unwahrscheinlich, dass ein junges Mädchen nicht reiten, sondern nur spazieren gehen will. Mir wäre es viel zu gefährlich gewesen, Genesis einem solchen Mädel zu überlassen, denn ich hätte mir nie verzeihen können, wenn dem Mädchen beim Reiten etwas passiert wäre.

 

Dann stieß ich auf die Anzeige der Dame: Beisteller für Stute in Bremen gesucht. Ich rief sie an. Sie war am Telefon super nett und erzählte mir, dass sie wegen eines Bandscheibenvorfalls in der HWS selbst nicht mehr reiten kann. Aber sie will ihre Stute nicht weggeben, "DA ES SO VIELE BÖSE MENSCHEN GIBT, BEI DENEN MAN NICHT WEISS WAS MIT DEN PFERDEN WIRKLICH PASSIERT." Sie habe den Platz und riesige Koppeln an der Elbe. Im Winter seien Sie bei ihr  im Stall am Haus, mit täglichem Auslauf. Es war alles so perfekt. Wir telefonierten nochmal und nochmal, schickten uns Bilder hin und her. An Ihre Worte erinnere ich mich noch zu gut: „Och, der ist ja süß, ich bin verliebt“, „der kleine Mann würde super zu meiner Stute passen“ und „er hat bei mir ein Zuhause für immer“ . Mir war sehr wichtig, dass wir in Kontakt bleiben. Das wäre kein Problem. Sie würde mir regelmässig Fotos und Infos zukommen lassen. Also entschieden wir uns, ihn an diese Dame abzugeben, denn das war wohl der Jackpot für meinen Fuchs.

 

Im Norden angekommen, schien alles so zu sein, wie sie es beschrieben hat. Sie zeigte uns das Winterquartier und alles andere, was es zu sehen gab. Ich brachte ihn in eine Box, damit er erstmal zur Ruhe kommen und sich von der langen Fahrt erholen konnte. Der Vertrag mit dem symbolischen Euro wurde unterschrieben. Zurück an seiner Box, verabschiedete ich mich von ihm. Die Tränen flossen, ich wollte nur das Beste für ihn und das konnte ich ihm bei mir in der Region nicht bieten. Er sollte ein super Rentnerleben führen dürfen. „In echt ist er noch viel schöner." - "Na kleiner Liebling, du wirst bei uns alt werden“ - das waren ihre Worte. Ich konnte mich nicht mehr zurückhalten, brach in Tränen aus und musste gehen. Das war das letzte Mal, dass ich ihn sah, meinen kleinen lebensfrohen Fuchs.

 

Drei Tage nach Abgabe erhielt ich Bilder von ihm am Halfter, mit traurigem Blick. Ob er seine Kumpels vermisste? Das waren die ersten und auch die letzten Bilder, die ich von Genesis bekam. Auf meine Nachfragen hat sie mich immer wieder nur vertröstet. Sie käme nicht zu der Wiese, da sie arbeitet, krank ist, mit ihrem Lebensgefährten zerstritten oder oder oder. Und dann erfuhr ich über Facebook die traurige Wahrheit. Auch mein Genesis ist, wie mindestens 46 weitere Pferde auch, bei dieser Frau gelandet.

 

Mittlerweile wohne ich wieder in meiner  Heimat in der Nähe von Stuttgart, bin also 700 km weit weg. Dort habe ich endlich meinen eigenen kleinen Stall. Hätte ich alles vorher so planen können, wäre mein Fuchs heute noch bei mir - bei seinen alten Kumpels in einem großen Offenstall. Das war die schlimmste Fehlentscheidung, die ich in meinem Leben getroffen habe. Dabei wollte ich für diesen lebensfrohen, aufgedrehten, sympathischen Fuchs mit den vielen schönen Abzeichen nur das Beste.

 

Ich bereue es so sehr, ihn weggegeben und mein Versprechen nicht gehalten zu haben. Das werde ich mir nie verzeihen können."

 

Tamara D.

 

 

Hinweis: da es hierbei lediglich um die persönlichen Schilderungen einer Betroffenen handelt, kann von den Seitenbetreibern  keine Verantwortung für die Richtigkeit der Darstellungen übernommen werden.