Auch Gaetano wurde in bester Absicht als Beisteller für eine Zuchtstute abgegeben, auch von ihm fehlt bis heute jede Spur.

 

Seine Besitzerin schildert, wie es dazu kam:


"Gaetano ist 2008 als mein erstes eigenes Pferd in mein Leben getreten. Es gab viele Höhen, aber leider auch viele Tiefen. 2013 fing alles mit einem Tritt und einem fünfmal gebrochenen Griffelbein inklusive Operation an. Voraus gingen einige weitere Erkrankungen, die wir aber gemeinsam gestemmt bekommen haben, u.a. einen Anriss des Fesselträgers und der Strecksehne. Nachdem Gaetano jedoch noch nicht mal mehr an der Longe richtig laufen konnte und nur noch gestolpert ist, entschied ich mich, für ihn einen schönen Rentnerplatz zu suchen.

 

Meine Tierärztin, die ihn jahrelang betreut hat, bestärkte mich in dieser Entscheidung.

 

Ich inserierte ihn also schweren Herzens bei Ebay Kleinanzeigen: "Lieber Beisteller  abzugeben....." Es meldeten sich unendlich viele Menschen, die Interesse an Gaetano hatten, jedoch stand bei allen das Reiten im Vordergrund. Er litt in dieser Zeit unter einer Nervenentzündung und hatte Probleme mit dem Hebemuskel an einem Vorderbein. Daher konnte ich beim besten Willen nicht vorhersagen, ob er jemals wieder reitbar sein wird. Unter den ganzen Angeboten aufgrund der Anzeige war jedenfalls kein passendes Zuhause dabei.

 

Im November 2014 meldete sich eine Dame über das Internet-Portal bei mir. Sie suchte einen Beisteller für eine Zuchtstute. Da ich bereits einige entsprechende Anfragen erhalten hatte, fragte ich explizit nach, ob er bei der Dame denn noch geritten oder bewegt werden sollte. Dies wurde verneint. Er sollte also ein reiner Beisteller werden. Alles schien perfekt zu sein. ich bekam einige Bilder von dem Stall, in dem er die Wintermonate verbringen sollte und wir telefonierten des Öfteren. Immer wieder bestätigte sie mir, dass er bei ihr einen Platz auf Lebenszeit haben wird. Es folgten einige Nachrichten über Whatsapp, jedoch wurde das Meiste telefonisch besprochen. Selbst die Abholung in Rheurdt war für sie kein Problem (hier hatte ich mir bereits Gedanken darüber gemacht, ob sie vielleicht von der Übernahme abspringen könnte). Wir vereinbarten im Vorfeld einen Kaufvertrag, da Ihrer Aussage nach ein Schutzvertrag nicht rechtsgültig sei. In diesem Vertrag wurden alle bekannten Krankheiten aufgelistet, sowie das Vorkaufsrecht vereinbart. Ebenso wurde festgelegt, dass sie mir Bescheid geben muss, wenn Gaetano eingeschläfert werden muss. Der vorgeschlagene Kaufvertrag wurde von der Dame akzeptiert, inklusive des obligatorischen Euros. Daraufhin vereinbarten wir einen konkreten Abholtermin.

 

Da wir ziemlich weit von Bremerhaven weg wohnen, haben wir vereinbart, dass ich zusammen mit meinem Freund der Käuferin und ihrem Lebensgefährten hinterherfahren werden, um uns den Stall selbst anzuschauen. Da ihr Lebensgefährte
- bevor er zu uns kam - angeblich noch eine Fahrt nach Berlin hinter sich bringen musste, kamen beide erst gegen Mittag in Rheurdt an, so dass wir erst spät in der Nacht vom 22.11.2014 auf den 23.11.2014  mit Gaetano am Stall in Loxstedt ankamen.
Uns  wurde bei den vorherigen Telefonaten bereits ein Hotel in der Nähe empfohlen, in dem wir dann auch die Nacht verbrachten. Am nächsten Tag sind wir vormittags zum Stall gefahren und haben uns diesen bei Tageslicht angeschaut. Alles sah wirklich toll aus, v.a. die großzügigen Wiesen direkt hinter dem Stall. Wir unterhielten uns noch einige Zeit in dem Stübchen. Auch haben wir uns über das Thema "neues Pferd" unterhalten. Ich habe von Beginn an gesagt - sollte ich einen guten Platz für Gaetano finden - würde ich mir eventuell ein anderes Pferd kaufen. Mir wurde von der Dame im Laufe unseres Gesprächs zu einem Händler aus Damme geraten. Dort würde ich alles bekommen und hätte auch die Möglichkeit, dort ein Pferd zu tauschen, sollte es nicht passen. Letztendlich bin ich diesem Rat nicht gefolgt, was im Nachhinein auch gut so war, denn ich erfuhr erst viel später, dass eines der gesuchten Pferde (Bursche)kuzzeitig bei genau diesem Händler stand, bevor er an einen weiteren Händler weitergereicht wurde.

 

Aber zurück zu unserem Gespräch in Loxstedt: mir wurde mehrfach sehr glaubhaft versichert, dass es Gaetano bei ihr gutgehen wird und dass er bei ihr seinen Lebensabend genießen kann. Im Sommer soll er mit der Stute auf eine drei Hektar große Wiese umziehen. Mir wurde sowohl telefonisch als auch persönlich mehrfach bestätigt, dass ich  Gaetano jederzeit besuchen kommen könnte. Das wurde mir auch von ihrem Lebensgefährten bestätigt, denn darauf legte ich den größten Wert,
da es sich bei Gaetano um mein erstes eigenes Pferd handelte. Wir fuhren also guter Dinge am 23.11.2014 wieder nach Hause. Es folgte  noch ein Foto und nach Tagen nur eine kurze Antwort auf die Frage, wie es Gaetano ginge. Im März 2015 hatte ich einen Urlaub geplant und wollte für zwei Tage nach Loxstedt fahren, um Gaetano zu besuchen. Das ist aber leider nicht zustande gekommen, da beide nach eigen Aussagen auch am Wochenende arbeiten müssten. Sie wollten jedoch schauen, wann sie einen alternativen Termin anbieten könnten, Urlaub würde sie jedenfalls erst einmal nicht bekommen. Danach habe ich nie mehr etwas von ihr gehört. Im Juni 2015 habe ich erneut versucht, Kontakt mit ihr aufzunehmen - aber leider ohne Erfolg.

 

Bis zum Dezember 2017 war ich dennoch fest davon überzeugt, dass Gaetano ein wirklich gutes neues Zuhause gefunden hat - oder zumindest hoffte ich es. Doch dann wurde ich von einer Freundin auf ein Gesuch bei Facebook aufmerksam gemacht. Als ich den Beitrag gelesen hatte, dachte ich nur, dass das einfach nicht sein kann. Ich dachte doch, ich hätte für Gaetano das große Los gezogen. Da nahm ich  erst richtig wahr, was uns passiert ist und dass wir offensichtlich belogen worden sind. Ich erhielt später einige Informationen zu Gaetano, u.a. wurde mir von einer außenstehenden Person mitgeteilt, dass Gaetano nicht mehr leben würde.  Daraufhin versuchte ich, erneut Kontakt zu der Dame aufzunehmen, jedoch bekam ich als Antworten lediglich kopierte Sätze, die sie bereits unter einigen Beiträgen von anderen Pferden gesetzt hat. Mir kam es so vor, als wenn sie mich nicht mehr zuordnen konnte, denn sie wollte zunächst von mir den Kaufvertrag sehen, da sie sonst nicht mehr antworten würde.  Nachdem ich ihr das Dokument zugeschickt habe, bekam ich jedoch überhaupt keine Antwort mehr.

 

Bis heute bin ich im Unklaren, was genau mit Gaetano passiert  ist. Wurde er geschlachtet, obwohl man ihn nicht hätte schlachten dürfen, wurde er weiterverkauft oder ist er tatsächlich eines natürlichen Todes gestorben? Nach dem einst geglaubten Jackpot für mein Pferd befinde ich mich nun in völliger Ungewissheit. Ich kann heute nur sagen, dass ich Gaetano auf keinen Fall dort hin verkauft hätte, wenn ich das alles vorher gewusst hätte...."

 

Lisa B.

 

 

Hinweis: da es hierbei lediglich um die persönlichen Schilderungen einer Betroffenen handelt, kann von den Seitenbetreibern  keine Verantwortung für die Richtigkeit der Darstellungen übernommen werden.