Wo ist Black?

 

Der Irish Tinker "Black", geb. 1997 wurde im Jahr 2008 von seiner ehemaligen Eigentümerin als Hippotherapiepferd gekauft. Ca. vier Jahre lang galt er als sehr beliebt bei den Patienten und war stets zuverlässig und sehr brav. Doch irgendwann fing er an, seine Reiter abzubuckeln und bei der durchgeführten tierärztlichen Untersuchung wurde festgestellt, dass er hochgradig an Kissing Spines erkrankt war. Trotz der Bemühungen seiner Besitzerin, ihn mit Osteophatie und Physiotherapie zu unterstützen, verschlimmerte sich sein Zustand zusehends. Da aber seinerzeit weder das Platzangebot noch die finanziellen Mittel zur Verfügung standen, musste ihn seine damalige Besitzerin, die sich gerade erst ihre eigene freiberufliche Existenz aufbaute, gezwungenermaßen abgeben.

 

Zunächst wurde Black in die Obhut einer guten Bekannten gegeben, wo er mit einem Isländer direkt am Haus gehalten wurde. Die angepachteten Wiesen dort waren aber nur mässig abgesichert und die neue Halterin schaffte es nicht, aus eigener Kraft, eine ordnungsgemäße Umzäunung herzustellen. Darum bat sie die Besitzerin von Black bereits nach wenigen Tagen um Hilfe bzw. darum, die Pferde wieder abzuholen. Aus besagten Gründen konnte der Tinker jedoch nicht zurück und darum beriet man sich im Freundeskreis, um nach einem neuen guten Zuhause für ihn zu suchen.

 

Über Ebay Kleinanzeigen wurde Black daraufhin als Beisteller angeboten, ein entsprechender Schutzvertrag war bereits vorbereitet. Auf diese Annonce hin meldete sich ein junger Mann, der tatsächlich Interesse an Black hatte und ihn auch schnellstens anschauen wollte. Samstags kam er zum damaligen Standort und brachte sogar schon einen Pferdeanhänger mit. Er war auf der Suche nach einem Gesellschafter für seine eigene Stute und machte einen sehr netten und kompetenten Eindruck. Durchaus fachkundig schaute er sich Black ganz genau an, fragte nach, ob der Tinker unter Mauke litt und wie er bislang gefüttert wurde, ob er als Handpferd für sporadische Geländeritte geeignet wäre usw. Er liess ihn sich vortraben und beteuerte auf Nachfrage mehrmals, dass er ganz sicher kein Händler sei. Zudem sicherte er dem Wallach einen Lebensplatz zu, denn er schien ganz angetan von ihm zu sein. Der junge Mann hatte es ganz und gar nicht eilig, wirkte dabei auch sehr ehrlich. Auch den vorgelegten Vertrag studierte er sehr aufmerksam, bat allerdings darum, einen Passus zu verändern, was aber von Seiten der Verkäuferin abgelehnt wurde. Für ihn war das dann offensichtlich aber auch kein Problem mehr und so unterschrieb er den Vertrag, allerdings mit erkennbar zittriger Hand. Als Blacks Besitzerin daraufhin anfing zu weinen, nahm er sie sogar noch tröstend in den Arm. Black wurde schließlich aufgeladen und das Gespann fuhr in Richtung Visselhövede davon.

 

Am gleichen Abend erkundigte sich Blacks vormalige Besitzerin bei dem Käufer, ob sie gut zuhause angekommen seien und fragte nach, wie sich der Tinker in seiner neuen Umgebung verhalten würde. Man sicherte ihr zu, dass er während des Transports zwar sehr geschwitzt hätte, aber dass er sich bereits nach ein paar Minuten im Schritt an der Hand wieder beruhigte und nun alles friedlich wäre. Er stände nun mit der Stute auf der großen Wiese, nachdem er dort erst einmal ordentlich gebuckelt hätte. Man würde gerne weiterhin im Kontakt bleiben und von Zeit zu Zeit Fotos von Black senden. Seine Besitzerin beendete das Telefonat und war beruhigt durch die Schilderungen des jungen Mannes aus Visselhövede. Am nächsten Tag sah sie sich veranlasst, noch einmal Kontakt aufzunehmen, um darauf hinzuweisen, dass Black noch einem Schmied vorgestellt werden müsse, was nach Aussage des Käufers aber bereits geschehen war. Man verabredete einen Besuch in naher Zukunft, was aus Sicht des Käufers jederzeit nach telefonischer Vorankündigung möglich wäre.

 

Das war das letzte Mal, dass Blacks Besitzerin mit dem Käufer Kontakt hatte. Im weiteren Verlauf wurden weder SMS beantwortet, noch konnte er telefonisch erreicht werden. Die Sorgen der Besitzerin um Black wurden immer größer und wenige Wochen nach dem Verkauf kontaktierte sie einen ortsansässigen Reitverein, um an Informationen zu den Käufern zu gelangen, da im Internet nichts über diese Familie zu finden war.

 

Tatsächlich erhielt sie die Antworten auf ihre Fragen und war geschockt: ihr Pferd ist in die Händen einer Händlertruppe geraten, die weit über die Grenzen von Visselhövede aufgrund ihrer dubiosen Geschäfte bekannt sind. Vermutlich würde Black nie wieder aufzufinden sein, so lauteten die Aussagen der Kontaktpersonen. Auch ein Tierschutzverein aus Rotenburg bot Hilfe an, wenn auch ohne jeglichen Erfolg. Eine Vielzahl von Annoncen in diversen Internet-Portalen brachten zwar viele Informationen zu dieser Händlerfamilie, jedoch blieb der entscheidene Hinweis auf den Verbleib von Black bis heute aus.

 

Es wurde Strafanzeige erstattet, eine Rechtsanwältin zur Durchsetzung zivilrechtlicher Ansprüche beauftragt und sogar ein Filmteam vom NDR hat diese Geschichte aufgenommen und verfilmt. Dennoch fehlt von Black bis heute jede Spur.


Die ehemalige Besitzerin sucht nun bereits im fünften Jahr nach ihrem ehemaligen Tinker. Heute wäre es für sie ohne Probleme möglich, ihn sofort zurückzunehmen, denn im Laufe der Zeit hat sie zwei Therapiestandorte aufgebaut und verfügt mittlerweile über 12 ha eigenes Weideland, auf denen ihre verrenteten Pferde bis zum Lebensende bleiben können.

 

 

Hinweis: da es hierbei lediglich um die persönlichen Schilderungen einer Betroffenen handelt, kann von den Seitenbetreibern  keine Verantwortung für die Richtigkeit der Darstellungen übernommen werden.