BLUETY – vom Schlachtpferd zum Schlachtpferd

 

(Eine wahre Geschichte)

 

 

Die Geschichte der kleinen belgischen Kaltblutstute mit den hübschen Punkten steht stellvertretend für viele andere Pferdeschicksale, die sich Tag ein, Tag aus in unseren Landen abspielen.

 

Für ein paar Hundert Euro wurde sie vor dem sicheren Tod in einem belgischen Schlachthaus herausgekauft, um genau dort wieder zu landen. Was hätte ihr erspart bleiben können? Was wäre gnädiger gewesen? Der schnelle Tod oder die Hoffnung auf ein artgerechtes Leben, die nicht erfüllt wurde?

 

Sie hatte leider nicht das Glück, auf ihrer langen Reise quer durch Deutschland und über die Grenzen hinweg den Menschen zu finden, der ihr ein behütetes Zuhause anbieten konnte. Stattdessen wurde sie regelrecht missbraucht, um an ihr noch ein paar Taler zu verdienen. Diese Geschichte berührt ungemein und zeigt dabei auch die gnadenlose Realität des Billig-Pferdehandels im 21. Jahrhundert auf.

 

Trotz der nationalen Vorschriften ( siehe Viehverkehrsordnung), den einschlägigen europäischen Vorgaben und Bestimmungen sind diese Praktiken in einer eingeschworenen Riege von Erlauchten weiterhin Gang und Gebe. Kontrollen finden in diesen Kreisen kaum oder gar nicht statt, Kennzeichnungsverpflichtungen werden nicht eingehalten und zu allem Übel werden dadurch immer häufiger Infektionskrankheiten von Stall zu Stall verschleppt.

 

Diese vermeintlich wertlosen Pferde werden verramscht wie alte Autos und die zuständigen Behörden schauen nahezu tatenlos zu. Wann endlich kommt eine einheitliche Tierverkehrsdatenbank für die verpflichtende Equiden-Registrierung nach dem Schweizer Modell „Agate“. Bekanntlich gilt auch ein Pferd – sofern entsprechend deklariert - als lebensmittellieferndes Nutztier, doch die Überwachung von Amts wegen zur Einhaltung der Lebensmittelhygienevorschriften funktioniert selbst nach dem europäischen Pferdefleischskandal aus dem Jahr 2013 in keinster Weise und das ist die Quintessenz der Ereignisse von vor vier Jahren, obwohl die Verpflichtungen der Amtstierärzte und der zuständigen Behörde bei Schlachtung oder Tod eines Equiden in der Durchführungsverordnung (EU) 2015/262 eindeutig festgelegt sind.

 

Doch zurück zu BLUETY: die Stute wurde im Jahr 2016 von einer jungen Frau zunächst in bester Absicht gerettet. Dennoch hat sie dieses kleine hübsche Pferd bereits nach kurzer Zeit für ein paar Hundert Euro nach Niedersachsen in sogenannte gute Hände vermittelt. Es wurde - wie so oft - eine Ratenzahlung vereinbart, das Pferd wurde abgeholt und die Papiere sollten bis zur vollständigen Bezahlung bei der Besitzerin bleiben. Es kam jedoch, wie es kommen musste. Weder der noch ausstehende Geldbetrag wurde entrichtet, noch fand BLUETY in der Heide ein endgültiges Zuhause. Kaum dort oben angekommen, wurde sie erneut verkauft – diesmal aber ohne ihre Papiere, denn die wurden bekanntlich aufgrund der noch ausstehenden Rate nicht ausgehändigt. Man schickte die Stute  erneut auf die Reise. Sie landete bei Schattengestalten der Szene, bei Ablegern dieser Zunft und erweckte erneut Begehrlichkeiten. Ein jeder sah in ihr  das Mittel zum Zwecke, die Haushaltskasse aufzubessern.

 

Mal gewinnt man, mal verliert man – so auch im Falle BLUETY. Für 725,00 € gekauft landete sie schließlich für 250,00 € in Schleswig-Holstein. Doch auch dort fand sich niemand für sie, der sie für immer behalten wollte. Stattdessen ging die Reise für sie nun erst richtig los, denn nun wurde sie von Pferdemarkt zu Pferdemarkt geschleppt und dort ausgestellt. Aufgrund ihrer auffälligen Fellzeichnung konnte ihr Weg mit Hilfe von niederländischen Marktbeobachtern nahezu lückenlos nachverfolgt werden, aber leider kamen die, die es gut mit ihr meinten, immer wieder zu spät. Der kleinen BLUETY gelang es nicht, ein Herz aus der großen Käuferschar, die sich an den vielen Pferden vorbeischob, für sich zu gewinnen. So wurde sie schließlich am Ende des Tages als Ausschussware einem holländischen Aufkäufer mitgegeben, der sie zusammen mit einigen anderen unverkäuflichen Pferden über die Grenze transportierte. Die finale Sortierung der Ausbeute fand dann in den Niederlanden statt und da die betagte BLUETY mit ihren 19 Jahren nicht mehr reitbar war, gehörte sie zu den Pferden, an denen es nichts mehr zu verdienen gab. Ihr Schicksal wurde in Friesland besiegelt und ihre letzte Reise brachte sie zurück nach Belgien. Dort verliert sich ihre Spur. Das einzige, was von dem kleinen gefleckten Pferd noch übrig geblieben ist, ist ihr Pass, nach dem niemand mehr gefragt und den keiner jemals kontrolliert hat.

 

Das Schicksal von BLUETY ist nicht dramatisch, es ist nicht besonders – es ist alltäglich.

 

Passt bitte auf Eure Pferde auf!