Ein Jahr geht zu Ende

Rückblick und Aussichten

 

Das Jahr neigt sich zu Ende. Allen da draußen wünschen wir einen guten Rutsch und alles Gute für das kommende Jahr 2019.

 

Bei der Gelegenheit möchten wir es aber nicht versäumen, die letzten 365 Tage zusammenzufassen und somit an die Geschichte um die mindestens 60 Pferde zu erinnern, die in Niedersachsen in den letzten Jahren größtenteils spurlos verschwunden sind.

 

Aufgrund einer Vielzahl von Presseberichten ist es uns Anfang des Jahres glücklicherweise und allen Unkenrufen zum Trotz gelungen, die Strafverfolgungsbehörden auf die Vorgehensweise unseres Paares aus dem Bremer Umland aufmerksam zu machen. Zu dem Zeitpunkt konnten wir bekanntlich über die sozialen Netzwerke 53 ehemalige Besitzer ausfindig machen, die allesamt auf die gleiche Masche hereingefallen sind und ihre Pferde aufgrund durchaus glaubhafter Versprechungen und Zusagen, sowie aufgrund der örtlichen Gegebenheiten, die in der Tat tadellos waren, in vermeintlich gute Hände abgegeben haben. Aus heutiger Sicht betrachtet war die Abgabe unserer Pferde mehr als naiv und leider viel zu gutgläubig, denn es hat sich bekanntlich herausgestellt, dass die Aufnahme dieser Pferde bei besagter Zollbeamtin lediglich dazu dienen sollte, die nachweislich äußerst angespannte finanzielle Lage der Herrschaften aufzubessern. Einen Fall in dieser Größenordnung hat es offensichtlich in Deutschland noch nicht gegeben, zumindest findet man über die Suche im Internet keine vergleichbaren und verwertbaren Fakten zu ähnlich gelagerten Geschichten in diesen Dimensionen. Haben es die Herrschaften womöglich schlichtweg übertrieben?

 

Zumindest wurde bei der Planung ihres Vorhabens außer Acht gelassen, dass es heutzutage ein leichtes ist, sich über eine Vielzahl von sozialen Medien weitläufig zu vernetzen - nur über FACEBOOK und Co. kam das ganze Ausmaß überhaupt ans Licht. Im Februar 2018 hat sich die verantwortliche Dame ein letztes Mal, aber dafür um so ausführlicher und öffentlich zu der Sachlage geäußert und ihre Sicht der Dinge umfangreich erläutert - von Zweifeln an der Richtigkeit ihres Handels bis dato keine Spur. Schon in dieser verbalen Auseinandersetzung wurde erkennbar, wie stark dieses Thema spaltet und polarisiert. In hoher Anzahl stimmten ihr die emsigen Diskutanten zu und sahen eindeutig die ehemaligen Besitzer in der Verantwortung, die solche Geschäftspraktiken erst möglich machen, weil sie leichtfertig ihre ausgedienten Pferde abgeschoben haben. Wäre man damals etwas zarter besaitet gewesen, so hätten wir spätestens zu diesem Zeitpunkt den Kopf in den Sand gesteckt und uns - natürlich in Anerkennung unserer Schuld - in Grund und Boden geschämt, denn wie konnten wir es wagen, der guten Dame an die Karre zu fahren bzw. ihre Taten und Entscheidungen zu kritisieren.

 

Diese oftmals harsche, wenn auch in Teilen durchaus verständliche und nachvollziehbare Kritik hat uns enger zusammenrücken lassen, auch wenn der ein oder andere Shitstorm durchaus oberflächliche Kratzer verursacht hat. Im Fokus behielten wir dennoch ausschließlich die vielen verschwundenen Pferde und darum gelang es uns recht schnell, uns an diese moralischen Ergüsse zu gewöhnen, uns diesen zu stellen bzw. diese abprallen zu lassen, sollten sie doch meist lediglich der menschlichen Kränkung oder Beleidigung dienen. Auch wenn wir andere Meinungen durchaus akzeptieren, so ärgerten wir uns ab diesem Zeitpunkt nicht mehr über die teils unterirdischen didaktischen Fähigkeiten, mit denen man sich uns gegenüber Luft verschaffen wollte. Auch über die häufig sehr eindimensionalen Betrachtungsweise der Internet-Gemeinschaft konnten wir immer besser schmunzeln. Waren wir eben die Täter - aus dieser neuen Rolle heraus ließ sich tatsächlich deutlich einfacher agieren. Dennoch bekamen wir auch Bestätigung und eine enorme Rückendeckung von unendlich vielen Menschen, die unsere Geschichte von Anbeginn an mitverfolgten und mitfieberten. Dieser Zuspruch und diese fantastische Unterstützung gab uns die nötige Energie und Kraft, um die Angelegenheit weiter zu verfolgen und v.a. immerzu vor diesen Geschäften mit den sogenannten Beistellpferden zu warnen und nochmals zu warnen.

 

Das erste Quartal des Jahres 2018 neigte sich dem Ende zu. Tagtäglich hofften und bangten wir, dass wir endlich Resonanz seitens der Behörden auf unsere erstatteten Strafanzeigen bekämen. Doch still ruhte der See und die an der Geschichte interessierten Journalisten diverser Tageszeitungen konnten auch nicht mehr in Erfahrung bringen, als dass bis Anfang des Jahres lediglich ein Dutzend Anzeigen an unterschiedlichen Stellen registriert waren. Doch wie konnte das sein? Schnell wurde klar, dass die zuständigen Polizeidienststellen in den jeweiligen Bundesländern die erforderliche Verknüpfung nicht herstellen konnten und somit wurde zunächst jede individuelle Anzeige auch nur als unbedeutender Einzelfall betrachtet.

 

Diesen Sachverhalt konnten wir glücklicherweise aufklären, indem wir die diversen Staatsanwaltschaften schriftlich und sehr ausführlich davon unterrichteten, dass es eben keine bedauerlichen Einzelfälle sind, sondern dass dahinter eine durchaus organisierte Methode stecken könnte. Diese Briefe läuteten glücklicherweise die Kehrtwende ein und von da an ging alles sehr schnell. Bereits im März diesen Jahres wurde eine Hausdurchsuchung bei den Beschuldigten durchgeführt und umfangreiches Beweismaterial konnte dabei sichergestellt werden. Daraufhin wurden tatsächlich polizeiliche Ermittlungen eingeleitet, die aber leider die traurige Gewissheit zutage brachten, dass noch mehr Pferde betroffen waren. Im April stieg die Zahl auf insgesamt 60 Fälle, wobei die Dunkelziffer vermutlich ungleich höher sein könnte, wie uns zumindest ein aussagefähiger Insider glaubwürdig berichtet hat.

 

Von offizieller Seite gab es für uns ab dem Zeitpunkt nichts mehr zu tun, denn der Fall lag nun in durchaus kompetenten Händen. Rückblickend hätten wir jedoch niemals erwartet, dass die zu erledigende Arbeit so lange Zeit in Anspruch nehmen wird, denn die Ermittlungen wurden erst im Oktober abgeschlossen und die Akte konnte im Anschluss der Justiz übergeben werden. Akteneinsicht wurde jedoch bis heute nicht bewilligt. Lediglich der gegnerische Anwalt hatte urplötzlich Informationen vorliegen, die er auch prompt in einem mehrseitigen Einschreiben verarbeitete und dadurch womöglich maximalen Eindruck schinden wollte. Seine Einschüchterungsversuche konnten wir jedoch lediglich mit einem müden Lächeln quittieren, waren die darin formulierten Anschuldigungen doch ebenso haltlos wie lächerlich. Möge nun der zuständige Staatsanwalt die richtigen Schlüsse aus dieser und der weiteren Faktenlage ziehen und die Sache so bald wie möglich zu Ende bringen.

 

Neben der strafrechtlichen Seite wurden selbstverständlich auch zivilrechtliche Schritte eingeleitet, die uns jedoch leider zunächst einen herben Rückschlag bescherten, denn in erster Instanz wurde einer Schadensersatzforderung hinsichtlich des Rückkaufs eines Pferdes nicht in der Art und Weise entsprochen, die wir uns erhofft hätten. Auch mit etwas Abstand betrachtet, ist dieses Urteil nicht in Gänze nachvollziehbar, war doch der einzige Zeuge der gegnerischen Seite der vermutliche Strippenzieher dieser ganzen Vorkommnisse. Dennoch folgte der Amtsrichter diesen Ausführungen nahezu uneingeschränkt und hörte sich dabei sogar durchaus interessiert belanglose Geschichte über entzückende Katzenbabys an. Es kam, wie es eigentlich nicht kommen sollte - statt der geforderten 4.000 Euro wurde ein Schaden von lediglich 250 Euro festgestellt. Selbstverständlich wurde jedoch gegen dieses Urteil Berufung eingelegt. Das Verfahren läuft.

 

Ein weiterer zivilrechtlicher Prozess wurde in diesem Jahr - aus welchen Gründen auch immer - nicht zur Entscheidung geführt, obwohl dieser spezielle Fall besonders brisant werden könnte, geht es doch um die nachgewiesene Schlachtung eines Pferdes, das kategorisch davon ausgeschlossen war, da es massiv medikamentös behandelt wurde. Ein tierärztliches Gutachten liegt nicht nur den Behörden vor, sondern wurde auch zur journalistischen Aufarbeitung der Sachlage weitergeleitet, da es sich hierbei keineswegs um einen bedauerlichen Einzelfall handelt. Acht der gesuchten Pferde wurden externen Recherchen zufolge im Verantwortungsbereich des Veterinäramtes Emsland geschlachtet, mindestens sechs davon waren nach heutigen Erkenntnissen als Nicht-Schlachtpferde deklariert. Wie gut also, dass wir einen kundigen Unterstützer aus dem Metier Funk und Fernsehen bekommen haben, der bereits in der Vergangenheit einschlägige Erfahrungen mit diesem einen Amt im Emsland gemacht und darüber öffentlich-rechtlich berichtet hat. Derzeit wird unsere Geschichte medial aufbereitet und schon bald einer breiten Öffentlichkeit zugängig gemacht.

 

Womit wir bei einem weiteren Thema sind, mit dem wir uns während der kleinteiligen Suche nach unseren Pferden intensiv beschäftigt haben. Wie ist der Umgang mit Nicht-Schlachtpferden innerdeutsch und auf europäischer Ebene geregelt. Eine offizielle Anfrage beim Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz wurde überraschenderweise tatsächlich beantwortet, wenn auch mit ungewöhnlich langer, wenn auch angekündigter Wartezeit. Die Kernaussage lautet wie folgt: "Ich pflichte Ihnen bei, dass ein als „Nicht-Schlachtpferd“ deklarierter Equide in keinem europäischen Schlachthof geschlachtet werden darf." Punkt!

 

Den genauen Wortlaut dieser Antwort stellen wir gerne auf Nachfrage zur Verfügung. Dennoch bleiben immer noch Fragen offen, denn die zur Verfügung gestellte Abhandlung ist doch recht allgemein gehalten und die Quintessenz aus der Stellungnahme lautet: "Es ist alles in Ordnung, die Kontrollen sind lückenlos gewährleistet." Sicher? Auf eine neuerliche - zugegebenermaßen leicht provokanten - Nachfrage, in der auch der europäische Pferdefleischskandal im Jahr 2013 kurz angerissen wurde, wurde bislang erwartungsgemäß nicht reagiert, aber wir haben ja zwischenzeitlich gelernt, geduldig zu sein.

 

Zweifel an den angeblich so funktionierenden Kontrollen kommen sicherlich auf, wenn man sich in diesem Jahr mit den Bildern der SOKO Tierschutz befassen muss, durch die erhebliche Missstände in einigen niedersächsischen Schlachthöfen bekannt wurden. Auch wenn in dieser Berichterstattung von Schweinen und Rindern die Rede war, so stellt sich dennoch pauschal die Frage, ob die behördliche Beaufsichtigung wirklich immer so funktioniert, wie uns zumindest bestätigt wurde oder ob die in hunderten von Seiten manifestierte europäische Gesetzgebung nicht doch durchaus störanfällig ist und Manipulationen an den Dokumenten der Pferde jederzeit möglich sind und womöglich unerkannt bleiben oder ignoriert werden.

 

Nüchtern betrachtet müsste man eigentlich zu dem Ergebnis kommen, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit die Lebensmittelhygieneverordnung, sämtliche Verordnungen zum Schutze der Tiere und die Kennzeichnungsverordnung zur Identifikation von Equiden regelmäßig missachtet werden. Interessieren sich die zuständigen Behörden eigentlich vollumfänglich dafür? Aus eigener Erfahrung und auch den unzähligen Schilderungen von wachsamen Menschen zufolge, müssen wir leider am Ende des Jahres 2018 ein sehr beklemmendes Zwischenzeugnis ausstellen. Nein, die Ämter interessieren sich offensichtlich nicht wirklich oder nicht ausreichend dafür - aus welchen Gründen auch immer, aber diese Feststellung ist mehr als ernüchternd und traurig zugleich. So viel Bürokratie, gepaart mit unfassbarer Trägheit und diese regelmäßigen Versuche, sich hinter den monströs aufgebauschten Verordnungen oder der vielen Arbeit zu verstecken - wir hätten uns diese Untätigkeit und Passivität  in unseren kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Selbst das anfänglich aufkeimende Engagement eines EU-Mitarbeiters in Brüssel hat sich in absolutes Stillschweigen verwandelt. Man hört nichts mehr von ihm und sämtliche Anfragen werden geflissentlich ignoriert.

 

Es ist schlichtweg unglaublich, aber durch diese vorherrschenden Zustände können wir den Bogen spannen zu einem weiteren wichtigen Thema, nämlich der Schlachtpferderettung, die u.a. bei FACEBOOK sehr emsig betrieben wird. Sicherlich ist es ein schöner Gedanke und eine wunderbare Aktion, wenn man ein bedauernswertes Pferd in letzter Minute vor dem sicheren Tod bewahren kann, aber aus diesem altruistischen Urverlangen vieler Pferdemädchen entstand eine geschäftsorientierte Bewegung, deren Mitstreiter vermutlich oder bestimmt an der Hilfsbereitschaft von tierlieben Mitmenschen partizipieren und auch den einen oder anderen Groschen daran verdienen. Sollen sie, wenn sie möchten - aber bitte dann auch unter Beachtung der Regeln und einschlägigen Vorschriften, sowie einem durchaus wünschenswerten Mindestmaß an Kritikfähigkeit, an Transparenz, an Emphatie, an Ethik und an Moral als Aspekt der menschlichen Natur.

 

Zwangsläufig sind wir nämlich bei der Suche nach unseren Pferden immer wieder mit diesen Rettungsgruppen in Berührung gekommen, aber eigentlich immer nur aufgrund der Frage nach der möglichen "Vergoldung" unserer Tiere bzw. aufgrund der Suche nach der Nachvollziehbarkeit und Rückverfolgung eventueller Handelswege. Man kann eigentlich nur noch die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn man im Zuge dessen hin und wieder die Äußerungen der Vermittlerinnen und der Schlachtpferdehändler nachliest. Entgegen jeglicher gesetzlicher Regelungen scheint in diesem Marktsegment alles erlaubt zu sein. Zum krönenden Abschluss wurde erst vor wenigen Tagen zum Besten gegeben, dass ein Nicht-Schlachtpferd trotzdem geschlachtet werden kann, lediglich der Schlachthof benötige dafür eine entsprechende Genehmigung. What??? Dieses Statement wurde untermalt mit der Aufforderung, man möge doch mit eigenen Augen schauen, wie ein Nicht-Schlachtpferd laut Pass geschlachtet wird. Damit wurde öffentlich zugegeben, dass in diesen Kreisen regelmäßig gegen den § 1 des Tierschutzgesetzes der Bundesrepublik Deutschland verstoßen wird. "Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen." Ein vernünftiger Grund besteht lediglich darin, Lebensmittel zu gewinnen, also kein Hundefutter und kein Tiermehl, auch keine Seife oder Echthaarbürsten. Wie gesagt - die ausführliche schriftliche Erklärung eines deutschen Ministeriums liegt uns vor.

Wir sind im Jahr 2018 aber auch mit einschlägig bekannten Händlern in Kontakt geraten, ohne jedoch vollumfängliche Einblicke in dieses offenbar durchaus rentable Geschäftsmodell mit den Beistellpferden zu bekommen. Der Kreis derer, die damit ihr täglich Brot verdienen oder sich damit die staatlichen Sozialleistungen aufbessern, sind schon ein eingeschworener Haufen. Dort scheint es noch echte Freundschaften zu geben. Die Damen und Herren halten zusammen wie Pech und Schwefel und Informationen dringen kaum nach außen. Zudem sind viele dieser Herrschaften mit einer gehörigen Portion Zynismus und einer recht unangenehmen Form von Humor ausgestattet, was sie wahrlich nicht sympathischer macht. Aber auch hier gilt die Devise: sollen sie, wenn sie möchten. Unerträglich wird es allerdings dann, wenn man sich gedanklich vor Augen bringt, dass einer dieser Typen das eigene Pferd womöglich im Stall hat oder hatte. Dann vergeht einem schon mal fast alles, zumal wir einige dieser Standorte sogar besucht haben, dabei jedoch unerkannt bleiben konnten. Ja, wir waren da und dort und haben uns Einblicke in diese Welt des Pferdehandels verschaffen können. Und wir werden diese Händlerställe auch im neuen Jahr besuchen, immer auf der Suche nach dem passenden Pferd.

 

Eins ist dabei zumindest klar geworden - die Geschäfte laufen nicht mehr so wie früher. Diese Erkenntnis verschafft ein wenig Genugtuung, trotzdem bleiben uns die Augen der Pferde in Erinnerung, die in teils viel zu kleinen, dunklen, dreckigen Boxen standen und darauf warteten, endlich gesehen zu werden. Manchmal standen sie über Wochen ganz allein oder es wurden mehrere Pferde zusammengepfercht und auf viel zu wenig Raum gehalten. Entweder weit außerhalb im Niemandsland oder vor den Augen der gutbürgerlichen Nachbarschaft. Diese Eindrücke bleiben, deprimieren und geben aber auch Ansporn. Doch auch hier zeigen sich die verantwortlichen Behörden regelmäßig wenig kooperativ, wenn nicht gar ignorant.

 

Ach was haben wir für Thesen auf unseren Streifzügen mitbekommen: so z.B. zahlen Schlachter den Händlern mehr, als Privatpersonen - bis zu 2,50 Euro pro Kilo sind möglich. Es gäbe genügend Schlachter, die sowohl ohne Pass als auch mit dem Status Nicht-Schlachtpferd aufkaufen und dann natürlich auch verarbeiten (oder weiterverkaufen). Aber natürlich möchte man damit nichts zu tun haben. Unserem Protagonisten wurde sicherlich ganz warm ums Herz, als er auf einem Pferdemarkt gegenüber Berufskollegen zum Besten gab, dass man ihm eh nichts könne, denn die Pferde sind schließlich alle schon verwertet und somit unauffindbar. Hey, wir haben überall unsere Lauscher. Entweder sind wir selbst vor Ort oder unsere Abgesandten. Schrägen Gestalten sind uns über den Weg gelaufen und die Krönung aller Behauptungen war eine Aussage, wonach eine Vielzahl von Pferden aus der EU über Rotterdam in die arabischen Emirate verfrachtet werden.

 

Bei allem Übel konnten wir aber auch phasenweise herzhaft lachen. Über all unsere liebgewonnenen Uschis, über Fünf-Euro-Lack-Leggings, über ein misslungenes Pomotion-Videos und über die unfassbaren Fähigkeiten eines Hundes, der sich instinktiv für die richtige  Seite zu entscheiden wusste und über einiges mehr - Lachen befreit schließlich den Geist und ist bekanntlich Balsam für Seele und Körper.

 

Wer aber ist nun Schuld an diesen vielen Missständen, von denen wir nur einen Bruchteil geschildert haben? Die Politik, vertreten durch die Veterinärämter, die Ministerien und durch die EU-Kommissionen? Der Besitzer, der sein Pferd nicht bis zum natürlichen Ende seines Lebens durchbringen kann oder will? Der windige Händler, der sich die Gunst der Stunde und die Schlupflöcher zunutze macht? Die Züchterschaft, die mittlerweile in dem Bestreben nach dem einen Kracher eine riesige Überpopulation von Pferden geschaffen hat? Oder - rein rhetorisch gefragt - das Geschöpf Pferd, weil die Natur es so wollte, dass es eben doch deutlich älter als ein Hund oder eine Katze werden kann, aber meist nur 15 bis 20 Jahre nutzbar im Sinne von reitbar ist? Wohin sollen aber diese unzähligen älteren Pferde, wenn es zukünftig immer weniger Wiesen und Weideland geben wird, wie das Bundesamt für Naturschutz bereits im Jahr 2014 in seinem Grünland-Report veröffentlicht hat. Seit 1990 sind die Flächen um fast eine Million Hektar geschrumpft und das Grünland wird nachweislich immer schlechter.

 

Aus unserer Sicht gibt es dazu keine rationellen Antworten. Das Tier jedenfalls ist ganz sicher nicht schuldig, sondern wieder einmal und wie so oft leidtragend. Die Gesetze sind umfangreich definiert, jede Kleinigkeit ist per Verordnung geregelt, die amtlichen Stellen sind mehr als ausreichend und in unterschiedlichen Hierarchien organisiert, um die erlassenen Normen und Gesetze durchzusetzen bzw. zu kontrollieren. Doch ist überhaupt ausreichend  Interesse vorhanden, bedingungslos dafür zu sorgen, dass diese Zustände schnellstens und nachhaltig beseitigt werden? Interessiert es den windigen Händler, ob er seine Geschäfte immer und ausnahmslos auf einer ordentlichen Rechtsgrundlage betreibt? Interessiert es den einen oder anderen Besitzer, was aus seinem ausgedienten Pferd wird? Wo es landet? Ob es auch in Zukunft ein gutes Leben führen wird?

 

Eigentlich gibt es nur eine mögliche Antwort auf diese Frage: wir alle/wir Menschen sind daran schuld. Jeder von uns, denn wir lassen zu vieles zu, denken zu wenig nach  und versagen zu oft. Eins ist jedoch klar: wer das Herz am rechten Fleck hat, dem kann das Schicksal der Tiere nicht egal sein. Passt bitte auf Eure Pferde auf!

 

 

In diesem Sinne: guten Rutsch und alles Liebe für das neue Jahr 2019.