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Ein ganzes Jahr und noch viel mehr.

Es ist in den letzten Wochen ruhig um die Geschichte der verschwundenen Pferde aus Niedersachsen geworden.

 

Vor genau einem Jahr, nämlich im November 2017, nahmen die Ereignisse ihren Lauf, als in den sozialen Netzwerken der Suchpost von dem hübschen Fuchswallach Calando weitläufig verbreitet wurde. Dadurch erst wurden weitere Betroffene darauf aufmerksam, dass sie wohl ebenso auf die vollmundigen Versprechungen der Pferdehofbetreiber aus dem Bremer Umland reingefallen sind.

 

Es meldeten sich immer mehr Menschen aus der ganzen Republik und schilderten ihre Erlebnisse. So stand relativ schnell die Vermutung im Raum, dass es sich hierbei um eine üble Masche handeln könnte, um in den Besitz von älteren oder gesundheitlich beeinträchtigten Pferden zu kommen, die für einen mehr als geringfügigen Obulus und unter falschen Versprechungen angekauft wurden. Alle Betroffenen hätten ihre Pferde niemals in die Obhut dieses Pärchens gegeben, wenn die wahren Absichten dahinter bekannt gewesen wären. Da die beiden dies aber genau wußten, haben sie sich ihre eigene Geschichte zusammengesponnen und sich nahezu in Perfektion als fürsorgliche, tierliebende Personen präsentiert. Zwischenzeitlich wissen wir auch um die möglichen Motive, die dazu geführt haben, dass man mindestens 60 Pferde aufgenommen hat.

 

Was konnten wir bislang erreichen? Wir haben die Medien eingeschaltet, die sich nach wie vor für diese Ereignisse interessieren. Zudem konnten wir aufgrund der Vielzahl der Fälle die Behörden aktivieren, die daraufhin umfangreiche Ermittlungen durchgeführt und mittlerweile auch zum Abschluß gebracht haben. Wie nun jedoch mit den Ergebnissen der polizeilichen Arbeit umgegangen wird, entscheidet einzig und allein die zuständige Staatsanwaltschaft. Informationen zum Sachstand liegen uns leider bislang nicht vor, doch hoffen wir sehr, dass die Faktenlage und vor allem die Anzahl der Fälle ausreichen, damit demnächst Anklage erhoben wird. Aber wie haben wir schon in einem älteren Beitrag festgestellt: "Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand." Den weiteren Lauf der Dinge werden wir nun nicht mehr beeinflussen können - es bleibt abzuwarten, wie diese Handlungsweisen rechtlich bewertet und ob ein strafrelevanter Tatbestand festgestellt werden wird.

 

Auch das laufende Verfahren um unsere Traberstute Titzia, die bekanntlich aus niedrigsten Beweggründen geschlachtet wurde (obwohl sie zu Lebzeiten erheblich mit Medikamenten behandelt wurde), wurde bislang aus unerfindlichen Gründen nicht zum Abschluß gebracht. Die Zuständigkeiten sind offenbar ungeklärt und so mahlen die Mühlen der Justiz langsam weiter. Das Ergebnis wird jedenfalls mit Spannung erwartet, auch wenn wir in diesem Jahr nicht mehr mit einer Entscheidung rechnen.

 

Wir mussten uns in den letzten zwölf Monaten beschimpfen, verunglimpfen und belehren lassen. Wir wurden mit laienhaft vorgetragenen rechtlichen Einschätzungen überhäuft. Man wollte uns vielfach und wiederkehrend weismachen, dass diese Vorgehensweise durchaus legitim ist, denn verkauft sei schließlich verkauft. Trotzdem sind die Menschen, die Anteil an dieser Geschichte nehmen, immer noch deutlich in der Mehrzahl. Vielen Dank an der Stelle an diejenigen, die uns bestärkt haben, die uns Mut zugesprochen und unsere Geschichte weitläufig geteilt haben.

 

Trotz aller Bemühungen haben wir die meisten Pferde bislang nicht wiedergefunden und werden sie sehr wahrscheinlich auch nicht mehr finden, wie uns aus durchaus verlässlichen Quellen berichtet wurde.  Über unsere Facebook-Seite meldeten sich aber auch eine Vielzahl von weiteren Geschädigten, die von ihren eigenen Erfahrungen berichteten, die sie an anderer Stelle und mit anderen Protagonisten machen mussten. Fakt ist - das Geschäft mit den sogenannten Beistellpferden blüht. Es ist überall das gleiche und es ist mittlerweile kaum mehr zu glauben, wieviele Personen an diesem Geschäftsmodell beteiligt sind und daran verdienen. In einer virtuellen Karte haben wir mittlerweile über 100 Standorte allein in Niedersachsen markiert, an denen namentlich bekannte Personen ansässig sind, die mit älteren Pferden handeln und meist keinerlei amtliche Legitimation dafür besitzen.

 

Daher können wir nur eindringlich davor warnen, ein älteres oder gesundheitlich beeinträchtigtes Pferd aus den Händen zu geben. Es gibt definitiv keinen wirksamen Schutz, um das eigene Pferd davor zu schützen, zum Wanderpokal zu werden. Es sind einfach zu viele Händler unterwegs, die daran haupt- oder nebenberuflich ein paar Euros verdienen wollen. Die Tiere werden noch aus dem Anhänger heraus unter Angabe des geschätzten Gewichts angeboten und von A nach B gereicht. Wenn gar keine Nachfrage mehr nach dem jeweiligen Pferd besteht, gibt es nach einem meist langen Weg nur noch die eine Lösung - den Schlachthof.

 

Trotz einer einheitlichen, europaweit gültigen Verordnung gibt es immer noch die unterschiedlichsten Auslegungen und Interpretationen zu der Verwertung eines Pferdes als lebensmittellieferndes Tier. Selbst Erkundigungen beim LAVES und weiteren nationalen Institutionen konnten diese offenen Fragen nicht final lösen.

 

Siehe auch: https://www.verschwundene-pferde.de/2018/11/16/nicht-schlachtpferde-in-der-verwertung/

 

Eine Geschichte untermalt die These, dass es keinen wirksamen Schutz vor Missbrauch gibt, ganz besonders. Uns wurde von der kleinen Stute Bastienne (genannt Elli) erzählt, die spurlos verschwunden ist, nachdem sie als Therapiepferd einer anerkannten Bremer Stiftung zur Verfügung gestellt wurde.

 

Ihre ehemalige Besitzerin kannte Elli von Geburt an, da sie schon die Mutterstute geritten ist. Dreijährig hat sie sie ihrer Freundin, die Elli gezogen hat, abgekauft.
Nachdem das Reiten durch gelegentliches Kopfschütteln immer schwieriger wurde, stellte der hinzugezogenen Tierarzt im Jahr 2001 die Diagnose Arthrose in der Halswirbelsäule.

 

Ellie wurde zunächst auf einer Sommerweide und anschließend in unterscheidlichen Offenställen untergebracht. Im Jahr 2005 verstarb dann eines der Ponys, mit dem Elli untergebracht war. Seitdem war Elli Stallgefährtin eines Wallachs, der 2014 leider auch verstarb.
 
Die Besitzerin von Elli holte sie daraufhin in den Reitstall einer Freundin zurück, um ganz in Ruhe eine geeignete und pferdegerechte Unterkunft zu suchen. Sie wurde als Beistellpferd inseriert, aber bei ihrer Besitzerin kamen aufgrund einer Vielzahl von merkwürdigen Anfragen schon bald große Zweifel auf, die Stute über diesen Weg zu vermitteln. Sie erkannte schnell, dass in diesem Bereich offenbar viele schwarze Schafe ihr Unwesen treiben.

 

Durch einen Zufall erfuhr sie dann, dass eine Bremer Stiftung Therapiepferde für Ihre Jugendfarm suchte. Sie suchte den Kontakt zu dem Pferdesachverständigen, der für die Auswahl geeigneter Pferde zuständig war. Nachdem sie ihm Elli vorgestellt hatte, wurde sie  aufgrund ihres freundlichen Wesens sozusagen auserwählt. War das etwa die Ideallösung? Der Pferdesachverständige war ein bekannter Hippologe und Berufsschullehrer für Pferdewirte und Elli war dort offenbar bestens aufgehoben. Bis Februar 2017 war das auch tatsächlich der Fall, was dieser Hippologe der Besitzerin telefonisch zusicherte. Sie hat Elli sogar gelegentlich besuchen können und alles schien in bester Ordnung. Bei Übergabe des Pferdes wurde der Besitzerin noch ein

Überlassungsvertrag zugesichert, der beinhalten sollte, dass sie bei jeglicher Änderung der Pferdehaltung als erstes informiert werde. Dieser Vertrag ist aber nie überreicht worden, aber im guten Glauben, dass Elli dort bestens untergebracht

war, wurde der Vertrag auch nie eingefordert, was sich im Nachgang als schwerer Fehler herausstellte.

 

Zum Ende des Jahres 2017 war Elli plötzlich nicht mehr da. Erst durch eine Vielzahl von E-Mails und Telefonaten konnte die Besitzerin herausfinden, dass die Stute anscheinend in der vorhandenen Herde Probleme gemacht hat und daher wurde sie zur „Erziehung einer Jungferdeherde“ an einen Pferdehändler aus dem Kreis Cuxhaven verkauft. Aufgrund der Gutgläubigkeit der Besitzerin gab es zu der Überlassung keinerlei Schriftstücke und demnach auch keine rechtliche Handhabe. Es stand die Überlegung im Raum, die Medien zu informieren. Der einziger Zeuge jedoch, der die Angaben hätte bestätigen können und der maßgeblich an der Vermittlung an diese Stiftung beteiligt war, durfte aus beruflichen Gründen keine Informationen preisgeben, obwohl er sich über den Ausgang der Geschichte ebenso geschockt zeigte - sein Dienstherr untersagte ihm, Auskünfte zu erteilen. Es gelang der Besitzerin dennoch, die Telefonnummer des Pferdehändlers herauszufinden. Auch er stimmte zunächst einem Besuch bei der Stute, die sich angeblich noch  in seinem Bestand befand, zu. Doch er vertröstete die Besitzerin mehrfach und vor ihrem letzten Anruf bei ihm rechnete sie bereits mit der Aussage, dass die Stute gestorben sei. Und genauso kam es.

 

Die Anfrage nach einer Bestätigung vom Abdecker wurde lediglich mit den Worten beantwortet, es gäbe keinen Nachweis. Angeblich existieren keine Unterlagen, obwohl ein Pferdehändler bekanntlich die Kosten für den Abdecker steuerlich hätte geltend

machen können. Erkundigungen bei der zuständigen Tierkörperverwertung und beim Veterinäramt brachten die Besitzerin auch nicht weiter. Der Verbleib der Stute ist bis heute ungeklärt.

 

Da jedoch der Pass immer noch nicht entwertet wurde, hofft die Besitzerin von Elli immer noch, dass ihre Stute noch leben könnte. Auch sie sagt heute: "Wenn ich all das vorher nur ansatzweise geahnt hätte, hätte ich Elli niemals weggegeben."

 

Wer kann Angaben zu der hübschen Stute machen oder weiß etwas über ihren Verbleib?

 

Bastienne 4, Rufname Elli
DE334346004392
Ponybrand mit Nr. 432
dunkelbraune Stute mit unregelmäßiger Blesse und vier unregelmäßig hoch weißen Beinen
Deutsches Reitpony (Verband der Pony- und Kleinpferdezüchter)
Stockm. 1,58 m
geb. am 02.03.1992